Buchtipp: Planet Wein

Buchtipp

Warum Weine gleicher Rebsorten überall anders schmecken.
Buchkritik von Martina Tschirner.
Wenn ein neues Buch von dem britischen Weinkritiker Stuart Pigott erscheint, könnte es Massenproduzenten des edlen Traubensaftes ungemütlich werden. Und was heißt hier schon wirklich edel? Was z.B. in Masse aus den Rebsorten Merlot, Shiraz und Chardonnay gekeltert wird, sind oft im ersten Moment wuchtig-fruchtige Weine, denen nach Meinung des Autors die Eleganz fehlt. So vergleicht er einen opulenten Merlot aus dem Bordeaux, der aus überreifen Trauben hergestellt wird, mit einem Macho-Mann mit Marmeladenherz.
Und mit solch einmaligen Vergleichen wird dieses sowieso schon interessante Buch zum großen Lesespaß. So erinnert Pigott ein feiner Chardonnay aus Australien an einen glanzvollen Auftritt von Nicole Kidmann, ein anderer Tropfen aus der gleichen Rebsorte an die verführerisch-spröde Ausstrahlung der Schauspielerin Julianne Moore. In jedem Fall kann sich der Leser unter diesen Beschreibungen immer etwas vorstellen. Meist stammen die für Pigott interessanten Weine von kleinen Winzern, die auch etwas ausprobieren und keine Massenware herstellen wollen.
Insgesamt mehr als vierzig Rebsorten, ihre verschiedenen Anbaugebiete und die damit sehr unterschiedlichen Weine stellt Stuart Pigott auf einfache, aber sehr unterhaltsame Weise vor. Von der alten griechischen Sorte Assyrtiko bis zum Zinfandel, dessen Ursprung noch nicht völlig geklärt ist, alles dabei. Auch die schönen, manchmal aber ungewöhnlichen Farbfotos rund um den Rebensaft lassen das Schmökern in diesem Buch zu einem großen Vergnügen werden.
Meine Meinung
Sehr unterhaltsam geschriebener Führer durch die Welt alter und neuer Rebsorten, wie immer bei Stuart Pigott mit einem großen Herzen für kleine, mutige Winzer.