Buchtipp: Die deutsche Küche im 20. Jahrhundert
Buchtipp

Kulturgeschichte des Essens in Deutschland von der Mehlsuppe im Kaiserreich bis zum Designer-Joghurt Ende der Neunziger.
Buchkritik von Martina Tschirner.
Sehr oft litten zumindest die sozial schlechter gestellten Schichten eher an Hunger, als sich über schöne Rezepte Gedanken zu machen. Erfindungen wie der erste elektrische Küchenherd halfen ihnen nicht weiter. Und was es zu „Kaisers Geburtstag“ gab, davon konnten sie vielleicht lesen. Nicht nur zu Kriegszeiten mangelte es an vielen Enden, berichten Sonja Spindler und Rainer Horbelt in ihrem Buch.
Doch Not machte schon immer erfinderisch. Mit welchen von den Regierungen verordneten Ersatzlebensmitteln die Menschen zum einen überlebten, und was sie daraus herstellten, haben die Autoren recherchiert. Sogar mit Rezepten zum Nachkochen, auch wenn es ein wenig ironisch scheint.
Nicht nur staatliche, sondern auch werbliche Kampagnen über einhundert Jahre sind im Buch dokumentiert und ebenso durchleuchtet. Ob Kölner Sparbrot oder Eintopf-Sonntage im Nazi-Deutschland, später die Broiler im Osten, weil es Jahns Brathendl im Westen gab, kein Trend in Bezug auf Essen ist ausgelassen worden. Ob Brigitte-Diät, Hawaii-Toast oder Designerküchen – alles und noch viel mehr ist dabei.
Meine Meinung
Alles in allem ein faszinierendes, sehr interessantes Buch, was mich abschließend nur eines sagen lässt: „Oh Mann, geht’s mir gut!“
